3 Tipps, um am neuen Arbeitsplatz schnell Kontakte zu finden

„Wuuuhuuu neuer Arbeitsplatz. Ohoh, neues soziales Arbeitsumfeld. Wie die wohl drauf sind? Bloß nicht am ersten Tag blamieren. Ich steh‘ doch gar nicht so auf Socialisen.“

Wer kennt es nicht? Dieser Mix aus aufgeregter Vorfreude auf den neuen Job – und auch dem mulmigen Gefühl, jede Menge neue Leute binnen kurzer Zeit kennen zu lernen. Und dabei auch noch einen perfekten, ersten Eindruck vermitteln zu müssen.

 „Wie bekomme ich den Mut, auf neue Kollegen und Kolleginnen entspannt zuzugehen? Was ist, wenn die neuen Kollegen und Kolleginnen mich doof finden? Und schaffe ich es, meine Ängste vor Ablehnung abzulegen?“

Diese Angst vor Ablehnung ist völlig normal und in uns allen vorhanden. Jeder Mensch kennt dieses Gefühl. Und jeder geht ganz individuell damit um. Unser Bewusstsein weiß nicht so recht zwischen physischem Schmerz und psychischem Schmerz zu unterscheiden. Es möchte beides unter allen Umständen vermeiden. Für unsere Psyche also ist der Schmerz bei einer Verbrennung am Kochtopf auf dem selben Level wie der Schmerz, den wir erleiden, wenn wir Ablehnung erfahren. Genauso wie unser Körper also sagt: „Heißes Wasser, nicht reinfassen!“ sagt er uns eben auch: „Neue Leute, Gefahr von Ablehnung droht. Aua!“

Wenn wir also Angst haben auf neue Kollegen und Kolleginnen zuzugehen, dann ist dies erstmal eine völlig normale Schutzfunktion unseres Körpers und unserer Psyche.

„Was wird er / sie über mich denken?“

„Wird er / sie mich mögen?“

„Was, wenn er / sie mich nicht mag?“

Warum haben wir solche Angst vor Ablehnung?

Wir Menschen sind soziale Wesen. Egal, ob introvertiert oder extrovertiert. Die meisten Menschen sind nicht gern dauerhaft allein. Es gab eine Zeit vor Lieferando, Amazon und „zu Hause mit Netflix zwei Wochen einschließen“. Damals wäre Isolation und ein Ausstoß aus unserem Stamm / unserer Gruppe höchstwahrscheinlich tödlich für uns ausgegangen. Dazugehören zu wollen liegt uns also irgendwie unterbewusst als Überlebensprogramm in den Genen. Selbst Menschen, die nicht mit der Masse mitschwimmen möchten, brauchen ein soziales Umfeld. Ablehnung ist für uns also immer noch gleichbedeutend mit einer drohenden Gefahr des Ausschlusses aus der überlebenswichtigen Gemeinschaft. Anstatt diese Angst vorschnell zu verfluchen, können wir uns bei ihr bedanken. Dafür, dass sie uns vor dem potentiellen „allein verhungern in der Kälte und von Berglöwen gefressen werden“ schützt.

Diese Furcht vor Ablehnung wird niemals verschwinden. Sorry not sorry. Glücklicherweise können wir Menschen lernen, mit unseren Ängsten umzugehen.

Konfrontation hilft

Ich hatte z.B. vor Jahren heftige Flugangst. Klimaschützer werden mich jetzt zurecht verhauen wollen. Um diese Flugangst zu überwinden, nahm ich innerhalb eines Jahres für jede noch so kleine Reise ein Flugzeug. EasyJet-Premium-Kunde. Ich setzte mich also meiner Angstsituation aus. Und es passierte …. Nichts. Mittlerweile fliege ich selten. Aber wenn, dann habe ich keine körperlichen Reaktionen mehr wie früher. Fliegen ist für mich „neutral“ geworden. Bin ich super glücklich, wenn ich fliege? Nein. Aber es ist ok. Hat sich irgendwas am Fliegen geändert? Nein – nur meine individuelle Einstellung dazu.

Und was hat das mit dem Netzwerken am neuen Arbeitsplatz zu tun?

Genau dasselbe gilt in Bezug auf Netzwerken mit neuen Kollegen/Kolleginnen. Dabei sollten wir immer im Kopf haben: Die anderen haben möglicherweise noch mehr Angst vor Ablehnung durch uns als wir vor ihrer Ablehnung. Das merken wir z.B. daran, wenn sich der neue Kollege dafür entschuldigen wie dieses und jenes in der Abteilung läuft. Oder uns eine Kollegin an unserem ersten Tag regelrecht ignoriert. Das liegt in der Regel nicht an uns, sondern oft ist es einfach Schüchternheit und „Angst“ vor dem / der Neuen.

Allein die Tatsache, dass wir offen auf sie zugehen, macht uns sympathisch. Unsere neuen Kollegen und Kolleginnen werden uns lieben. Denn wir nehmen den anderen Menschen den Druck ab, auf uns zuzugehen. Menschen lieben Menschen, die die Initiative ergreifen.

Es ist egal, ob wir auf neue Menschen auf Arbeit, auf einer Party oder in einem Seminar zugehen. Wir können „draussen“ und in alltäglichen Situationen üben, in sozialen Situationen kommunikativer werden. Das hilft uns in ganz vielen Bereichen auch außerhalb der Arbeit, leichter mit neuen Menschen ins Gespräch zu kommen. Deswegen: Übung, Übung, Übung.

1. Mehr Kommunikation im Alltag

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann meiden wir gern Gespräche mit Fremden. Denn die anderen Person könnte uns nicht leiden können oder komisch darauf reagieren, was wir sagen. Wir können unsere Ängste desensibilisieren und dadurch den Umgang mit ihnen erlernen. Super einfach können wir das dort üben, wo wir keine Ablehnung erhalten können. Wo sich Menschen mit uns unterhalten müssen. Frisöre/innen, Verkäufer/innen und Kellner/innen z.B. müssen (manchmal zu ihrem eigenen Leid) einfach immer freundlich sein. Beim nächsten Einkauf also einfach etwas mehr sagen als „Hallo“. Oder dem Frisör irgendwelche Smalltalk-Fragen stellen. Dabei einfach daran denken, dass das alles einfach nur der Übung dient.

Wie kann ich im Alltag besser kommunizieren?

Als Beispiel eine Alltagssituation beim Bäcker:

Wir kommen in das Geschäft und vor uns warten drei Leute. „Pardon, endet bei Dir / bei Ihnen die Warteschlange?“ – „Ja“

Kann es eine Ablehnung bei diesem „Gespräch“ mit einer fremden Person geben? Nein.

Beim Bestellen bei der Bäckerin irgendeinen Blödsinn sagen wie: „Drei Schrippen bitte und wow, der Schokokuchen sieht ja richtig gut aus.“ – „Ja, wollen sie auch ein Stück davon mitnehmen?“ – „Nein, ich muss auf meine Linie achten.“ – „Haha, das kennen wir ja alle.“

Völlig hohles Gespräch ohne Inhalt. Aber so können wir ganz simpel trainieren, Menschen zu einem kurzen Gespräch einzuladen. Und lernen, dass wir dabei so gut wie nie das Gefühl von „Ablehnung“ erhalten werden.

Mit etwas Übung können wir dann längere Gespräche mit fremden Menschen auf der Straße führen. Es geht hier jedoch erstmal nur um die Desensibilisierung unserer Angst vor dem Zugehen auf neue Menschen.

2. In kleinen Schritten die eigene Komfortzone verlassen

In unserer Komfortzone fühlen wir uns wohl. Neue Menschen kennen lernen liegt wohlmöglich weit außerhalb dieser Wohlfühlzone. Wir können ganz langsam beginnen, diese Zone zu vergrößern. Ich bin z.B. aus Berlin nach Brandenburg an einen See gefahren. Auf dem Dorf grüßt man sich gegenseitig mit einem „Hallo“, wenn man aneinander vorbeiläuft. Das war für mich als Großstadtkind anfangs völlig ungewohnt. Das habe ich mir zu Nutze gemacht. Jede Person, die mir beim Spaziergang um den See entgegenkam. Grüßte ich mit einem „Hallo“ und einem Lächeln.

Von 50 Leuten kam 49 Mal ein „Hallo“ zurück. Jedes Mal ebenfalls mit einem Lächeln. Klingt auf den ersten Blick gar nicht so eindrucksvoll. Trotzdem hat es etwas in mir gemacht. Die Menschen haben sich drüber gefreut, mit einem „Hallo“ wahrgenommen zu werden. Und es hat mir gezeigt, dass bei einer freundlichen Kontaktaufnahme keine negative Reaktion erfolgt.

Blickkontakt aufbauen ist ein guter Anfang

Wem das zu viel ist, der kann üben, beim Spazierengehen oder in der U-Bahn kurze Zeit Blickkontakt mit fremden Menschen zu halten. Auch das erfordert Einiges an Übung und ist für uns oftmals „ungewohnt“. Der Vorteil ist, dass wir dies sehr einfach in unseren Alltag einbauen und z.B. auf dem Weg zur Arbeit praktizieren können. In die Augen einer anderen Person schauen, wenn Blickkontakt mit der anderen Person entsteht, Blickkontakt 1 oder 2 Sekunden halten. Anfangs kann das wirklich sehr unangenehm sein.

Sinnvoll sind auch jegliche andere Möglichkeiten, aus unserer Komfortzone herauszukommen. Denn diese Wohlfühlzone funktioniert ganzheitlich. Je mehr wir uns z.B. unseren Unsicherheiten bei einem Thema stellen, umso eher stellen wir uns auch anderen ungemütlichen Themen. Wir können also hier sehr klein anfangen – wie z.B. einmal ein neues Restaurant ausprobieren.

Das Ziel sollte immer sein, schlichtweg nur die Wohlfühlzone zu verlassen. Was danach geschieht, ist irrelevant.

3. Achte darauf, was Du ausstrahlst

Möglicherweise kommt Dir, liebe/r Leser/in, die Begrifflichkeit der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ bekannt vor. Wir strahlen nach außen das aus, was wir selbst von uns halten. Wenn wir in ein Gespräch gehen und z.B. davon ausgehen, dass die neue Kollegin uns eh nicht wird leiden können, dann handeln wir unbewusst auch so. Wir behandeln sie  automatisch schon distanziert und ebenfalls abweisend. Wir suchen nach Dingen, was wir an ihr ebenfalls nicht leiden können.

Die Selbsterfüllende Prophezeiung wirkt auch auf deine Ausstrahlung

„Die interessiert sich ja eh nicht für mich! Warum sollte ich also Energie investieren, um sie kennen zu lernen?“

Auf die Art und Weise wirken wir verdammt unsympathisch auf unser Gegenüber. Das geschieht allein in unserem Unterbewusstsein. Denn unser Unterbewusstsein möchte uns möglichst die Realität liefern, welche wir erwarten. In diesem Fall erfüllen wir unsere Erwartungshaltung. Durch unser unsympathisches Wirken wird die neue Kollegin heute kein Fan von uns sein.

Wer so ein Muster bei sich selbst entdeckt, sollte unbedingt darauf achten, mit der richtigen Einstellung in ein Gespräch zu gehen.

Sind wir z.B. total verunsichert, strahlen wir diese Verunsicherung auch auf die anderen Person ab. Und verunsichern die andere Person möglicherweise auch (geschieht öfter als wir denken). Denn die andere Person denkt möglicherweise genauso: „Was die neue Kollegin wohl von mir hält?“ Dann krampft das Gespräch vor sich hin.

Gehe davon aus, dass deine neue Kollegen dich mögen werden

Wenn wir uns selbst „gut“ fühlen, dann wird sich auch unser neuer Kollegenkreis mit uns „wohlfühlen“. Das, was wir fühlen, lassen wir auch andere fühlen. Wir sollten uns also fragen: Was vermitteln wir? Wenn wir auf neue Menschen zugehen und davon ausgehen, dass die Personen uns mögen werden – dann stehen die Chancen verdammt hoch, dass wir dann auch so handeln, dass wir tatsächlich gemocht werden.

Also, alles eine Frage der Einstellung – alles Beste für den neuen Job und viel Spaß mit dem neuen Kollegenkreis.

Übrigens. Auch ein AVGS-Coaching kann Dir dabei helfen, Dich außerhalb Deiner Komfortzone wohler zu fühlen oder selbstsicherer aufzutreten.

Autor: Oliver Schnell


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